Zu Ehren der Roten Ruhrarmee ...

30.03.15 - Vor 95 Jahren erlebte Deutschland den größten bewaffneten Aufstand seit den Bauernkriegen. 1920 erhoben sich Arbeiter erfolgreich gegen den Versuch, eine faschistische Militärdiktatur zu errichten, die alle erkämpften demokratischen Rechte und Freiheiten der Novemberrevolution von 1918 beseitigt hätte. Zu Ehren der Gefallenen der Roten Ruhrarmee vor 95 Jahren fanden am Wochenende mehrere Veranstaltungen statt.

30.03.15 - Vor 95 Jahren erlebte Deutschland den größten bewaffneten Aufstand seit den Bauernkriegen. 1920 erhoben sich Arbeiter erfolgreich gegen den Versuch, eine faschistische Militärdiktatur zu errichten, die alle erkämpften demokratischen Rechte und Freiheiten der Novemberrevolution von 1918 beseitigt hätte. Zu Ehren der Gefallenen der Roten Ruhrarmee vor 95 Jahren fanden am Wochenende mehrere Veranstaltungen statt. Nach den Erfahrungen des imperialistischen Krieges wussten die Arbeiter nur zu gut, was diese Militärdiktatur bedeuteten würde! Sie schlugen mit äußerster Entschiedenheit und Einigkeit zurück. Die deutsche Gewerkschaftsführung und alle Arbeiterparteien SPD, USPD und KPD riefen zum Generalstreik auf: 12 Millionen Arbeiter und Angestellte traten damals in einen Generalstreik.

"Dieser Generalstreik war äußerst bedeutungsvoll", berichtet Monika Gärtner-Engel, die stellvertretende Vorsitzende der MLPD in ihrer Gedenkrede in Gelsenkirchen am 28. März. "Falsch ist es jedoch, ihm allein den Erfolg gegen den Kapp-Putsch zuzuschreiben. Die bürgerliche Geschichtsschreibung aber auch die der Spitzen von SPD und Gewerkschaften möchten den Mantel des Vergessens ausbreiten über die schärfste Waffe, die die Arbeiter damals einsetzten, einsetzen mussten: Den organisierten bewaffneten Kampf!"

Zwischen 80.000 und 100.000 Arbeiter bewaffneten sich allein im Ruhrgebiet. "Angesichts dieser machtvollen, bewaffneten Arbeiteroffensive waren die Putschisten schon am 17. März zur Kapitulation und Flucht gezwungen. Der Kampf für Demokratie und Freiheit war ein voller Erfolg der revolutionären Arbeiterbewegung mit historischer Dimension", so Monika Gärtner-Engel.

Rund 130 Menschen versammelten sich am vergangenen Samstag in Gelsenkirchen am Mahnmal auf dem Horster Südfriedhof. Sie gedachten des mutigen Kampfes, vor allem von Berg- und Stahlarbeitern der Roten Ruhrarmee. „Wäre die Lehre der Einheit der Arbeiterparteien aus dem Generalstreik und den Ruhrkämpfen nur später im Kampf gegen den aufkommenden Hitler-Faschismus angewandt worden, dann wäre der Welt unendliches Leid und die Barbarei des II. Weltkrieges erspart geblieben“, so Monika Gärtner-Engel in ihrer revolutionären Rede, die auch Bezüge zum heutigen Kampf um Demokratie, Freiheit, Weltfrieden und Sozialismus herstellte. Die feierliche Veranstaltung umfasste auch Lieder des Ruhrchors und von Peter Reichmann. Ein Gesteck und viele rote Rosen wurden niedergelegt.

Nachdem die Regierung aus SPD, Zentrum und DDP am 27. März 1920 wieder an der Macht war, verriet die SPD die Arbeiter. Mit Lug und Trug entzweite sie die Aktivisten der Roten Ruhrarmee, entwaffnete sie mit dem "Bielefelder Abkommen" und schickte die gleichen Militäreinheiten, die eben noch geputscht hatten, ins Ruhrgebiet. Sie ermordeten rund 2.000 Arbeiterinnen und Arbeiter.

Am 2. April 1920 wurden zum Beispiel 34 Rotgardisten, überwiegend Bergleute in Haltern am See ermordet und verscharrt. Sie hatten vergebens versucht, eine Brücke gegen die von der Regierung entsandten Freikorps und Reichswehr unter General Watter zu verteidigen; die drängten danach ins Ruhrgebiet. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am gestrigen Sonntag trotz strömenden Regens nach Haltern in den Wald zur Gedenkstätte im Kreis Recklinghausen.

Diese Gedenkstätte in Haltern wurde während des gesamten Hitler-Faschismus von der umliegenden Bevölkerung geschützt. So versammelten sich selbst zwischen 1933 und 1945 am jeweiligen Jahrestag „Spaziergänger“ dort und gedachten ihrer gefallenen Kameraden. Umrahmt von Musik sprach hier gestern Andreas Tadysiak, Bergmann auf der benachbarten Zeche und Vertreter der Internationalen Bergarbeiter-Koordination, außerdem Vertreter von MLPD und AUF Herten. Ein Mitglied des Jugendverbandes REBELL aus Bremen überbrachte Grüße von der Gedenkveranstaltung, die in Bremen zu Ehren der Gefallenen der Bremer Räterepublik von 1919 stattfinden. Die Veranstaltung gedachte auch kurz der 16 Schülerinnen und Schüler aus Haltern, die mit zwei ihrer Lehrer letzte Woche bei dem Flugzeugabsturz in Frankreich ums Leben kamen.

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich ebenfalls gestern Vormittag trotz Regen auf dem Friedhof Alt-Walsum. Sie legten am Denkmal der „Märzgefallenen 1920“ und auf dem Gräberfeld von 121 Zwangsarbeitern aus der Zeit des Nationalsozialismus Blumen nieder. Viele Bergarbeiter haben ihr Leben für die Freiheit gegeben. Einige Hundert wurden auf dem Friedhof bestattet. Es sprachen Redner von der Initiative „Erinnern gegen rechts“, der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF, der VVN-Duisburg, der MLPD und des Jugendverbandes Rebell. Alle waren sich darin einig, dass die Geschichte nicht vergessen werden darf und als Mahnung und Lehre der Jugend weitergegeben werden muss.

Das Manuskript der Rede von Monika Gärtner-Engel als PDF-Download

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Monika Gärtner-Engel