Lebenslauf von Monika Gärtner-Engel

September 2009

Am 20. Juni 1952 wurde ich in Bad Boll geboren. Mein Vater war damals Pfarrer und meine Großväter führende CDU-Politiker. Später trennte sich mein Vater von seinem Beruf und seiner Familie und ging in die Industrie. Meine Mutter zog mit meiner Schwester und mir nach Stuttgart, später ins Remstal.

1958 kam ich in die Grundschule, 1962 ins Gymnasium in Waiblingen. Am Ende meiner Schulzeit begann ich mich verstärkt für Politik, andere Länder und internationale Bewegungen zu interessieren.

Nach dem Abitur machte ich zusammen mit drei Freunden in einem alten VW-Käfer eine eindrückliche Reise durch Polen, die damalige Sowjetunion, Finnland, Schweden und Dänemark.

1971 begann ich in Tübingen Sozialpädagogik (und im Nebenfach Psychologie und Soziologie) zu studieren. Angesichts des gewachsenen Bewusstseins über soziale Missstände und in der Hoffnung, das System durch soziale Reformen erneuern zu können, wurde die Sozialpädagogik in dieser Zeit geradezu zum Modeberuf. Mit mir begannen 700 Studentinnen und Studenten dieses Studium in Tübingen!

Während der Studienzeit erlebte ich noch die Ausläufer der Studentenbewegung und der "ML"-Bewegung. An der Uni gab es zig Gruppen und Initiativen mit linkem politischen Anspruch. Es war auch die Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg, an denen ich mich beteiligte. Am meisten beeindruckte mich damals die internationale Solidaritätsarbeit, die die Kommunistischen Studentengruppen (KSG) durchführten.

Ab 1973 war ich in verschiedenen Vorläuferorganisationen der MLPD organisiert. Die Weichenstellung, vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus und revolutionär die Welt zu verändern, war natürlich konträr zu meiner bisherigen, eher christlich-humanistisch-idealistischen Prägung. Es war zugleich ein Aufbruch in neue politische Gefilde, in die Welt der Arbeiterbewegung und die Wissenschaft des dialektischen Materialismus.

Ich studierte zielstrebig, weil ich nicht unnötig lange an der Uni sein wollte. In den Ferien arbeitete ich, vor allem in einer Behinderteneinrichtung. 1974 heiratete ich und legte 1975 nach acht Semestern meine Diplomprüfung ab. Direkt danach begann ich in einem Berufsbildungswerk in Waiblingen im Internatsbereich zu arbeiten. Anfang der 1990er Jahre absolvierte ich noch eine Grundausbildung in systemischer Familientherapie.
1977 war der erste Nachwuchs angesagt! Mit Hilfe des damals neu aufkommenden Ultraschalls wurde „ein kräftiger Junge“ prognostiziert; doch stattdessen kamen überraschend zwei winzige Mädchen. Und das noch am 24. Dezember! Da ich mir schon immer Zwillinge gewünscht hatte, war ich begeistert. Der unverhofft reichliche Kindersegen krempelte das Alltagsleben natürlich mächtig um. Trotz zwei, später drei Kindern war ich immer berufstätig und politisch aktiv.

Das ging natürlich nur in einer Partnerschaft wie mit meinem damaligen Mann Christoph, in der Lebensziele und Liebe ebenso stimmen wie die gemeinschaftliche Kindererziehung und Hausarbeit.
Eine der wichtigsten Errungenschaften in dieser Zeit war die zunehmende Lebensorientierung auf die Arbeiter.

Nach den bisherigen Gewohnheiten und den Jahren an der Uni eine der einschneidendsten Veränderungen! Es begann mit vielen persönlichen Freundschaften mit Arbeitern, regelmäßigem Rote-Fahne-Verkauf vor Bosch in Waiblingen und enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern von MLPD und REBELL. Hand in Hand damit reifte die Einsicht von der Arbeiterklasse als der führenden gesellschaftsverändernden Kraft – eine elementare Erkenntnis und Selbstveränderung für Intellektuelle. All das ist unverzichtbare Grundlage der Tätigkeit für die Arbeiterbewegung!

Seit 1978 arbeitete ich - über lange Zeit in Teilzeit und ehrenamtlich - im Verlag Neuer Weg in Stuttgart. In dieser Zeit erfuhren die verschiedensten Bewegungen, die Friedensbewegung, die Umweltbewegung, die Anti-AKW Bewegung usw. einen lebhaften Aufschwung. Unsere Literatur, zum Beispiel das damals erschienene Buch "Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution", war außerordentlich wichtig, um Tiefgang in die Bewegungen zu bringen und ihre Perspektive zu festigen.

In Verbindung mit dem Umzug des Verlags nach Düsseldorf zogen wir 1986 nach Solingen, wo ich 1986 Mitglied in der MLPD wurde.

In Solingen wurde im Juli 1986 auch die dritte Tochter geboren.

Die Jahre in Solingen waren zugleich Jahre der intensiven Zusammenarbeit und Freundschaft mit Willi und Luise Dickhut. Willi Dickhut, der Vordenker und Mitbegründer der MLPD, war damals schon über 80 und dennoch täglich unermüdlich in seiner Arbeit. Unser sehr herzliches Vertrauensverhältnis umfasste alle persönlichen und politischen Fragen, die man sich nur denken kann! Zu zwei besonderen Anlässen schenkte mir Willi Dickhut eine seiner Schnitzereien aus dem KZ Börgermoor: Als sich der Frauenverband Courage gegründet hatte und ich in den Vorstand gewählt worden war, schenkte er mir das Relief „Frau mit Kind“, später zum Geburtstag eine seiner Plastiken "Moorsoldat"! „Wenn du einmal in ernsthafte Schwierigkeiten und Sorgen kommen oder schwanken solltest, dann nimm ihn ganz fest in die Hand - das wird dir helfen," sagte Willi dazu. Zum Glück ist dieser Fall bisher noch nicht eingetreten, und so konnte ich beide Stücke vorerst als Leihgaben an das Willi Dickhut Museum geben.

Ab Ende der 1980er Jahre engagierte ich mich mehr und mehr frauenpolitisch. Ich arbeitete mit am Aufbau des Frauenverbandes Courage, in dessen erstem Vorstand ich ab 1992 als Sprecherin tätig war. 1995 nahm ich als Delegierte des Frauenverbandes Courage beim Forum der Nichtregierungsorganisationen anlässlich der Weltfrauenkonferenz in Peking teil.
Es war für meine weitere politische Arbeit eine prägende Erfahrung, am Aufbau einer tatsächlich überparteilichen Organisation mitzuarbeiten - mit Aktivistinnen aus anderen Parteien, Bewegungen oder zahlreichen parteilosen Frauen. Wir entwickelten gemeinsam das bis heute gültige und zukunftsweisende Zehn-Punkte-Programm dieses Verbandes, das ein wichtiges Signal für das charakteristische Profil überparteilicher Selbstorganisationen setzte.
Zugleich war die Auseinandersetzung über das richtige Verhältnis zur Parteiarbeit auch für die MLPD einschneidend. War zunächst beabsichtigt, eine marxistisch-leninistische Frauenorganisation zu initiieren, so erkannte die MLPD in der Auseinandersetzung um ihr Verhältnis zur Frauenbewegung die Bedeutung überparteilicher Selbstorganisationen. In dieser Zeit erarbeitete die MLPD in Theorie und Praxis ihr gleichberechtigtes Wechselverhältnis zu den Selbstorganisationen der Massen.

Sehr bedeutsam war in diesem Lernprozess der ständige Austausch mit Willi Dickhut. Er verarbeitete die reichhaltigen Erfahrungen seiner Frau Luise aus der Frauenarbeit der KPD. Von ihm kam der wesentliche Impuls an die MLPD, eine tatsächlich überparteiliche Zusammenarbeit zu fördern und eine prinzipielle Aufarbeitung der Erfahrungen von Frauenorganisationen wie dem demokratischen Frauenbund Deutschland (DFD) zu leisten. Sie waren nominell überparteilich, aber faktisch ein Anhängsel der kommunistischen Partei.
Seitdem entwickelte sich die überparteiliche Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Weltanschauung zum besonderen Schwerpunkt meiner politischen Arbeit. Im Laufe der Jahre arbeitete ich mit Begeisterung als MLPD-Mitglied in der Frauenbewegung, im Elternrat in der Kindertagesstätte, in der Friedensbewegung, in der Umweltbewegung, in der Gewerkschaft, der Kommunalpolitik und nicht zuletzt in der Bewegung der Montagsdemonstrationen initiativ und aktiv mit.

Auf dem Berliner Parteitag 1991 wurde ich erstmals ins Zentralkomitee der MLPD gewählt. Alle meine Kollegen dort hatten schon langjährige Leitungserfahrungen in der MLPD hinter sich. Es waren viele Arbeiterfunktionäre, die Erfahrungen in der Produktion, in harten betrieblichen Auseinandersetzungen, Streikbewegungen und dem alltäglichem Kleinkrieg in Betrieb und Gewerkschaft hatten. Davon konnte ich enorm viel lernen! Ich wiederum kam aus der Arbeit in den verschiedenen sozialen Bewegungen, in denen ich als MLPD-Mitglied mitgearbeitet hatte. Insbesondere durch meine Familie hatte ich vielfältige Lebenserfahrungen und praktisches Organisationstalent entwickelt. Aber ich hatte kaum Leitungserfahrung in der Parteiarbeit und völlig neu war für mich die theoretische Arbeit.

Die intensivste Ausbildung in dieser Tätigkeit war die Mitarbeit an dem Buch „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“ (zuerst erschienen in der Reihe Revolutionärer Weg 27/28 „Der Klassenkampf und der Kampf um die Befreiung der Frau") und später an dem Buch von Stefan Engel „Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'“.

Ich musste mich dazu kritisch mit einer speziellen Prägung als „Hausfrau plus Mutter plus Berufstätige plus Politikerin“ auseinandersetzen: Fähigkeit zum zielstrebigen Management der vielfältigsten praktischen Aktivitäten, aber ein Zug zum Pragmatismus auf Kosten der gründlichen theoretischen Beschäftigung mit all den aufgeworfenen Fragen.
Auf der anderen Seite hatte gerade die Zusammenarbeit und Freundschaft mit Willi Dickhut den theoretischen Verstand und ein prinzipielles Herangehen an die vielfältigen alltäglichen Ereignisse, konkreten Fragen und aktuellen Gegebenheiten gefördert. An Willi Dickhut war für mich begeisternd, dass prinzipielles Herangehen niemals dogmatisch, sondern immer lebendig, konkret und vor allem schöpferisch ist.

Nach meiner Scheidung 1997 heiratete ich zum zweiten Mal 1999: Stefan Engel. Für mich war und ist der ungewöhnlichste Parteivorsitzende immer wieder ein Erlebnis: ein Arbeiter mit ausgeprägt theoretischem Sinn; ein Stratege mit enormem praktischen Talent; ein spritziger Polemiker mit ausgeprägter Herzlichkeit und Sensibilität; hohe Entschlusskraft, Disziplin und Entscheidungsfreudigkeit gekoppelt mit viel Nachdenklichkeit und aufmerksamem Zuhören; ein Arbeitstier - mit Genuss an den vielfältigsten kulturellen Geschehnissen... Das gibt jede Menge Anregungen zum Lernen, Impulse zur Auseinandersetzung und ist wie ein Schlaglicht auf das Potenzial der Arbeiter, die für den Sozialismus kämpfen.

Ein so unterschiedlicher Hintergrund, Lebenslauf und Lebenserfahrungen wie bei uns beiden ergänzte sich äußerst anregend. Die Debatte wurde umso lebhafter, als wir beide über klare Vorstellungen, Willenskraft und reichlich Temperament verfügen. Kurz und gut: Zusammen bilden wir ein produktives Team!

In unserem persönlichen Leben trennten wir uns freundschaftlich im Jahr 2007, wir arbeiten politisch aber immer noch eng verbunden, effektiv und als Topteam zusammen!

Seit 1996 arbeite ich als freie Publizistin. Das heißt, ich verdiene mein Geld mit schriftstellerischer Tätigkeit, mit Büchern, Bildungsarbeit, politischem Projektmanagement und seiner Auswertung.

Ebenso wie andere Funktionäre der MLPD habe ich mich auf das Parteimaximum verpflichtet und alle meine Einkünfte werden dementsprechend abgerechnet. Die Aufwandsentschädigung, die ich aus der kommunalpolitischen Tätigkeit bekomme, spende ich vollständig entsprechend den Grundsätzen des kommunalpolitischen Bündnisses AUF Gelsenkirchen, für das ich seit 1999 im Stadtrat in Gelsenkirchen bin, an AUF Gelsenkirchen. Meine Unkosten dafür rechne ich entsprechend ab - darüber gibt es seit 1999 mit lückenlosen monatlichen Detailabrechnungen eine umfassende Rechenschaftslegung.
Ich führe eine vielfältige Bildungsarbeit durch - von Kursen zur dialektischen Methode, über Seminare der gewerkschaftlichen Frauenarbeit bis hin zu meinem "Hobby " - Seminare wie „Liebe, Krach und Türenknallen - Streitkultur in Familie und Partnerschaft", „Scheiden tut weh“, „Toll - mein Kind kommt in die Pubertät! " usw.

Als besondere Bereicherung erlebte ich verschiedene Auslandsreisen zu Freunden und Organisationen der internationalen Frauen-, Arbeiter- und marxistisch-leninistischen Bewegung, so 1995 nach China, 2000 und 2009 nach Lateinamerika, 2004 nach Norwegen, 2006 nach Bangladesh und Indien und 2008 nach Venezuela zur Vorbereitung der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen im Jahr 2011.

Ganz besonders liegt mir die Entwicklung der Jugendbewegung in Deutschland und die Jugendarbeit der MLPD am Herzen. Rotfüchse und Rebellen sind in der politischen Landschaft einzigartig. Ich werde wütend, wenn ich sehe, wie dieses System mit Hunderttausenden von Jugendlichen achtlos und - allen Phrasen zum Trotz - desinteressiert umgeht. Es wäre jedoch völlig verfehlt, die Jugend einfach als armes Opfer dieses Systems zu bemitleiden. Sie muss lernen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Dazu muss sie alle ihre Potenziale einbringen, aber auch bereit sein zu lernen, sich zu verändern - und sich selbstbewusst anzulegen mit den Feinden ihrer Zukunft. Dazu müssen Jugendliche und Erzieher mit dem verbreiteten Antiautoritarismus fertig werden, der die Fähigkeiten und Energien der Jugend zerstört.

Weil die MLPD die Partei der Jugend ist, ist sie auch die Partei der Zukunft. Ich bin stolz darauf, Mitglied der MLPD zu sein. Mit dem unübersehbaren Links-Trend in der Bundesrepublik - an dessen Entstehung die MLPD wesentlich beteiligt ist - erleben wir derzeit einen kräftigen Schub vorwärts im Parteiaufbau. Das ist zweifellos erst der Anfang einer neuen, zukunftsweisenden Entwicklung. I

ch freue mich darauf und lade alle herzlich ein, an diesem bahnbrechenden Projekt MLPD mitzuarbeiten!

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Monika Gärtner-Engel